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Merle Kröger setzt schon wie bei 'Cut!'auf schnell wechselnde Schnitte und Perspektivenwechsel. Die zumeist kurzen Kapitel sind immer aus der Sicht einer der Figuren erzählt und legen ihre Außen- wie Innensicht dar. Das täuscht über die eher einfache und durch die vielen Sprünge zerrupft wirkende Handlung des Buches hinweg.
Tatsächlich geht es der Autorin weniger darum, einen actionreichen Thriller zu schreiben und einen Fall möglichst spektakulär aufzuklären, sondern eher um die Darstellung ihrer Figuren. Sie beschäftigt sich mit ihren Wünschen, Hoffnungen und Träumen, die so unterschiedlich wie ihre Herkunft sind. Sie lässt sie in ihrem vertrauten Umfeld ebenso agieren wie vor ungewohnter Kulisse. Dabei gelingt es ihr, mit wenigen Worten und Beschreibungen die jeweiligen Handlungsorte plastisch darzustellen, sei es nun das unterkühlte Deutschland wie auch das exotische, in schwüle Düfte gehüllte Indien. Gnadenlos wird dabei aus auch in Deutschland mittlerweile sehr bekannten Bollywood-Filmen zitiert, selbst wenn Merle Kröger inzwischen darauf verzichtet, ihre Helden wie in den indischen Monumentalschinken handeln zu lassen. Der Stil des Romans ist weiterhin sehr experimentell. Die Autorin erzählt ihre Geschichte wie in einem Filmscript – in kurzen prägnanten Szenen aus der Sicht verschiedener Personen. Experimentell ist es, mal die Innensicht und die Gedanken, die sich Bahn brechen, dann wieder ein reales Geschehen zu schildern. Sie verbindet damit beide Welten: die der Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen, die vor allem Madita, Nick und Nal prägen, und die Realität. Auch 'Kyai!' ist vielleicht nicht ganz so einfach zu lesen, belohnt aber mit einer rasanten, filmgleichen Darstellung. (x-zine)